Jugend debattiert - an der Heinzenwies seit 2007 etabliert

Wenn  in  den Unterrichtsräumen unserer Schule - vorzugsweise im späten Herbst oder um den Winteranfang - Glocken klingen, hat das wenig mit der bevorstehenden Weihnachtszeit zu tun: Es ist Debattenzeit. Die Glocke ist das Zeitzeichen der laufenden Debatte und das Markenzeichen des Wettbewerbes.

Der Schülerwettbewerb „Jugend debattiert“ wurde seit 2007 an unserer Schule etabliert. Zunächst ging die Initiative von Gabriele Presser aus, die diesen Wettbewerb schon am Gymnasium am Rittersberg in Kaiserlautern kennen gelernt hatte.

Seitdem wurden die Strukturen durch Schulung der Lehrer aufgebaut und der Wettbewerb etabliert. Die Unterrichtseinheiten sind sowohl im Deutsch- als auch im Sozialkundeunterricht verankert. Dabei geht es um die Schulung der rhetorischen Fähigkeiten, die nach den Kriterien Sachkenntnis, Überzeugungskraft, Ausdrucks- und Gesprächsfähigkeit beurteilt werden. Themen dabei sind aktuelle politische, gesellschaftliche und soziale Probleme aus dem weiteren Umfeld der Schülerinnen und Schüler, zu denen eine Änderung des bestehenden Zustandes erwünscht sein könnte.

In der 24- minütigen Debatte mit vier Teilnehmern geht es um die Klärung der Sache, nicht um eine Einigung auf eine Maßnahme oder für eine Änderung. Dabei steht die sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema im Vordergrund, was eine klare Strukturierung erfordert, die im zeitlichen und formalen Rahmen vorgegeben wird, sich aber auch in den Redebeiträgen spiegelt. Die Schüler haben, im Rahmen des Wettbewerbes, der von der Schul- auf die Regional-, Landes- und zur Bundesebene führt, zehn Tage Vorbereitungszeit für die Debatte. Die inhaltliche Vorbereitung des Themas ist insgesamt ebenso wichtig, wie die eigentliche Debatte, dabei werden intensiv die Fähigkeiten zur gezielten Recherche zu einem Sachthema geschult. Ausgebildete Juroren beurteilen die Beiträge innerhalb der Debatte, geben Rückmeldungen und kontrollieren die Zeitabläufe.

Dieses Format eignet sich sehr gut zur Vor- oder Nachbereitung von Erörterungen im Deutschunterricht, zur Schulung der rhetorischen Kenntnisse und zur Strukturierung von Debatten in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern, insbesondere in Sozialkunde. Schüler, die sich selten mündlich am Unterricht beteiligen, haben hier einen festen Rahmen und ein klar umrissenes, vorbereitetes Thema und werden in ihren mündlichen Beiträgen gestärkt. Innerhalb der Schule bemerkt man eine allgemein bessere Diskussions- und Rückmeldungskultur in Klassen, die am Projekt teilnahmen. Die hier erworbenen Kenntnisse können auch sehr gut außerhalb des Wettbewerbs- und Schulrahmens angewendet werden, zum Beispiel in Bewerbungsgesprächen, wie wir aus Rückmeldungen ehemaliger Teilnehmer wissen, oder allgemein, im gesellschaftlichen Diskurs. Dieses Konzept passt außerdem sehr gut zum modernen 4 K-Modell des Lernens, bei dem es um die Schulung von Kolaboration, Kreativität, Kommunikation und kritischem Denken geht und das ein Baustein zeitgemäßer Didaktik darstellt.

Unsere Schule ist der Organisationspunkt für den Regionalverbund „Mittlere Nahe“, der Schulen von Bad Kreuznach bis Lauterecken umfasst. Die Erfolge unserer Schule und auch des Verbundes sind beachtlich, es kamen Schüler bis zur Bundesebene im Wettbewerb weiter.

Da sachliche Debatten geschult und erprobt werden müssen, heißt es auch in Zukunft an der Heinzenwies: „Die Debatte ist eröffnet“- und die Glocke erklingt.

(Anne Leib)