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Aktuelles - Details

Schriftliches Abitur 2025 am Gymnasium an der Heinzenwies: Geschichte trifft auf Gegenwart

Das Fach Sport machte in diesem Jahr an der Heinzenwies zusammen mit den Gesellschaftswissenschaften den Abiturauftakt. Ringen und Tennis standen auf dem Programm, also eine Ur-Sportart schlechthin und eine der TOP-5-Sportarten weltweit. Ein langer Aufgabenkatalog musste abgearbeitet werden, unter anderem sollte ein sechsteiliges Circuit-Training entwickelt werden.  Auch die Frage nach Pro und Kontra von koedukativem Sportunterricht tauchte auf.

Sehr aktuell war wieder das Sozialkunde-Abitur, wo die Schüler und Schülerinnen ein Thema aus zwei verschiedenen Themenfeldern auswählen durften. Das erste der beiden Themen beschäftigte sich mit einer Partei, die gerade im letzten Jahr erst neu entstanden ist, dem BSW und fragte: „BSW, die neue (Un-)Bekannte – Chance oder Gefahr für die deutsche Parteienlandschaft?“. Auch das zweite Thema war angesichts der weltweiten Konflikte überaus aktuell. Es ging um die UN. Ist sie zu einem zahnlosen Tiger ohne Handlungsmöglichkeiten geworden? „Die UN seien nicht geschaffen worden, um die Menschheit in den Himmel zu bringen, sondern um sie vor der Hölle zu bewahren.“ Mit diesem Zitat des ehemaligen UN-Generalsekretärs Dag Hammerskjöld mussten sich die Schülerinnen und Schüler auseinander setzen, die zu diesem Thema gegriffen hatten.

In Geschichte durften die Abiturientinnen und Abiturienten wählen, in welche Epoche sie eintauchen wollten: in die Außenpolitik des Kaiserreichs oder doch lieber nicht ganz so weit zurück in die Geschichte der europäischen Staatengemeinschaft ab 1945? Im ersten Fall mussten sie sich mit einem autobiografischen Text Bismarcks auseinandersetzen, im zweiten Fall mit einer Rede Churchills.

Kurz nachdem in Oberhof der Biathlon-Weltcup stattgefunden hatte, tauchte Oberhof auch im Erdkunde-Abitur auf – allerdings in weniger sportlicher Hinsicht. „Tourismus im Thüringer Wald – hat Oberhof eine Zukunft?“, lautete die zentrale Frage, die die Schülerinnen und Schüler von verschiedenen Seiten beleuchten sollten. Im vergangenen November referierte ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen an der Heinzenwies über das Verhältnis der Großmächte USA und China.  Nun sollten sich die Abiturientinnen und Abiturienten erneut mit China beschäftigen „China als Herausforderung für die Sicherheit im 21. Jahrhundert?“ – ebenfalls eine ganz aktuelle Frage.

In einem der beiden Deutsch-Leistungskurse griffen die meisten Abiturientinnen und Abiturienten zu dem Epikthema „Der Sandmann“, einem Werk aus der schwarzen Romantik des  Autors E.T.A. Hoffmann. Einige entschieden sich aber auch für Lyrik und verglichen ein Tucholsky-Gedicht mit einem Songtext der DDR-Rockband Karat. Im anderen Deutsch-Leistungskurs entschieden sich die meisten für ein klassisches Deutsch-Abiturthema: Goethes Faust. Wer hier zum Lyrik-Thema griff, musste ein expressionistisches Großstadtgedicht mit Herbert Grönemeyers zeitlosem Bochum-Song vergleichen.

Zentral aus Mainz kam wie jedes Jahr die Aufgabe der Sachtextanalyse, in diesem Jahr ein FAZ-Text, der sich mit der Entwicklung des modernen Theaters beschäftigte. Das zweite zentrale Thema, das materialgestützte Verfassen argumentierender Texte, diskutierte die Frage, ob heutige Literatur den Klimawandel verstärkt thematisieren muss.

In Mathematik ging es in einem Thema ums Legospielen. Was jedoch so verheißungsvoll klingt, entwickelte sich im Detail zu kniffligen Aufgaben im Gebiet der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Beim zweiten Thema sollte der Bau eines Eigenheims auf einem Hunsrücker Hanggrundstück berechnet und beurteilt werden: Muss man den vermeintlich günstigen Kaufpreis eventuell im Nachhinein teuer bezahlen?

Neues gab es bei den Naturwissenschaften. Hier kamen zum ersten Mal zwei zentrale Themen aus Mainz. Hinzu kamen zwei Themen, die die Fachlehrer aufgesetzt hatten. Unter den insgesamt vier Themen durften die Schülerinnen und Schüler drei zur Bearbeitung aussuchen. Und so hatten sie in Chemie die Wahl, ob sie sich mit dem chemischen Element Chrom, Farbstoffen, Glycolsäure und Ascorbinsäure in Fruchtsäurepeelings oder mit Marshmallows als Energieträger beschäftigen wollten. In Physik ging es um die Braun'sche Röhre, den guten alten Röhrenfernseher, den Franck-Hertz-Versuch und Atommodelle, das Zyklotron sowie Oberflächenuntersuchungen mit Röntgen- bzw. UV-Strahlung.

Ebenso standen im Biologie-Abitur erstmals zwei zentrale Aufgaben zur Wahl. Mainz hatte die Schülerinnen vor die Wahl gestellt, ob sie sich mit Prionenerkrankungen oder mit der evolutionären Entwicklung von Faultieren beschäftigen wollten. Prionenerkrankungen sind nicht behandelbare Erkrankungen des Gehirns. Alternativ durften sich die Prüflinge aber auch für die von der Fachlehrerin gestellten Aufgaben entscheiden: Hier ging es um eine giftige Kröte aus Madagaskar, die sich mithilfe von Herzglykosiden vor Angreifern schützt. Eine Krankheit, die die Menschheit immer noch bekämpfen muss, ist die Malaria. Hier galt es, die Auswirkungen eines Insektizideinsatzes zur Bekämpfung der Krankheit und das neuere Gentechnikverfahren CRISPR/Cas zu untersuchen. Vier spannende Aufgaben, von denen auch drei zu bearbeiten waren. 

In den Sprachen gibt es schon länger zentrale Aufgaben. Und so gab es auch in diesem Jahr im Englisch-Abitur ein zentrales Hörverstehen mit Ausschnitten aus verschiedenen Radioprogrammen: Pacific Review, BBC News, WNYC. Das zentrale Leseverstehen bot Auszüge aus The Economist, The Guardian und „The Rainbow“ von D. H. Lawrence. Im Schreibteil durften die Schülerinnen und Schüler dann wählen: Wollten sie sich mit dem American Dream beschäftigen oder mit dem Roman „The Nickel Boys“ von Colson Whitehead?

Ähnlich lief das Französisch-Abitur ab. Im Hörverstehen wurden den Schülerinnen und Schülern ein Interview zum Thema E-Auto und eine Reportage zur Bildschirmnutzung vorgespielt.

Beim Leseverstehen stand der Apfel im Mittelpunkt. Die Schreibaufgabe des Ministeriums fragte: „Second Hand – eine falsche gute Idee?“ – natürlich auf Französisch. Wer nicht zu der Schreibaufgabe des Ministeriums greifen wollte, konnte auch die von der Fachlehrerin gestellte Aufgabe wählen. In „Une leҫon inoubliable“ ging es um eine finanziell und sozial schwächer gestellte Schülerin, die aufgrund ihrer Situation eine Strafe für etwas auf sich nehmen musste, das sie nicht begangen hat. In diesem Kontext hieß es auch, sich mit einer Aussage des französischen Bildungsministers zu beschäftigen: „Les inégalités sociales se reproduisent en inégalités scolaires.“

Mit Vergils Aeneis mussten sich die Lateinerinnen und Lateiner auseinandersetzen. Der zu übersetzende antike Text erzählte von niemand Geringerem als Merkur, der auf Veranlassung Jupiters zu Aeneas kommt. Aeneas, der in Karthago bei Dido weilt, wird an den göttlichen Auftrag erinnert, eine neue Heimat für sein Volk zu finden. Im Anschluss an die Übersetzung galt es, sich stilistisch und interpretatorisch mit dem Werk Vergils zu beschäftigen.

Und so schlug das schriftliche Abitur an der Heinzenwies dieses Jahr einen großen Bogen von der Antike bis zur Gegenwart. Jetzt aber gilt es auf die Zukunft, auf die Notenverkündigung am 10. März, zu hoffen.