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Abitur in schwierigen weltpolitischen Zeiten: Schriftliche Abiturprüfungen am Gymnasium an der Heinzenwies 2026
Immer ist das schriftliche Abitur auch ein Spiegel der Weltlage und der großen gesellschaftlichen Fragestellungen. Dies zeigte sich in diesem Jahr schon beim Auftakt, den in diesem Jahr am Gymnasium an der Heinzenwies die Fächer Erdkunde, Geschichte und Sport machten. Und so ging es in Erdkunde in beiden Wahlthemen auch gleich um die globalisierte Welt und ihre Auswirkungen. „Infrastrukturprojekte und Tourismus in Ostafrika – Entwicklungschance in einer globalisierten Welt?“, fragte eins der Themen und forderte die Schülerinnen und Schüler unter anderem auf, die Standortfaktoren Kenias zu untersuchen. Das zweite Thema betrachtete die wachsende Verflechtung der Philippinen in die Weltwirtschaft. Kann sich ein abgelegenes „Paradies“ zum globalen Standort entwickeln? Und welche Rolle spielen dabei Arbeitsmigration und die „Call-Center“-Branche? Das galt es zu beurteilen.
Sehr aktuell ging es auch im Fach Geschichte zu. „Eine Welt?“, fragte kritisch einer der beiden Themenvorschläge. Beleuchtet wurden Transformationsprozesse in Europa nach 1945. So zeigte ein Vergleich der Nato-Strategien von 1991 und 2022, welch einschneidende Veränderungen der Kontinent gerade in den letzten vier Jahren seit Beginn des Ukraine-Krieges erlebt hat. Nicht minder aktuell war auch das zweite Thema „Rassismus, Kolonialismus und koloniales Erbe“, bei dem anhand einer Pressemitteilung des Europäischen Parlaments aus dem Jahre 2022 dargestellt wurde, wie die EU versucht, strukturellen Rassismus zu bekämpfen und Werte wie Toleranz und Integration stärker zu verankern.
Im Fach Sport standen die Sportarten Speerwurf und Ausdauersport, sprich Marathon, im Mittelpunkt. Hier sollten die Energiebereitstellung bei einem Marathonlauf erläutert werden, Laufbandtests analysiert und der „Flow-Kanal“ erklärt werden. Und eine der zahlreichen Aufgaben fragte auch, welche Auswirkungen ein sportliches Großereignis wie der Berlin-Marathon auf die Bundeshauptstadt haben kann.
Zwei Tage später stand für 19 Abiturientinnen und Abiturienten Deutsch auf dem Plan. Aus vier Großthemen musste eins ausgewählt werden. Zwei Themen kamen dabei zentral aus Mainz. Wer sich für die materialgestützte Argumentation entschied, hatte sich mit moderner Literaturkritik im Zeichen von Booktok zu beschäftigen. In der Sachtextanalyse ging es hingegen um Framing im Journalismus. Eins der Literaturthemen forderte einen Gedichtvergleich zweier Gedichte von Alfred Lichtenstein und Joseph von Eichendorff. Dabei erinnerte Lichtensteins expressionistisches Gedicht „Regennacht“ mit seiner düsteren Großstadtatmosphäre und seinen Weltuntergangsfantasien durchaus an manche heutige Großstadtszenerien.
Die erste Abiturwoche schloss mit dem Fach Mathematik, wo eine Neuerung eingeführt wurde. Zum ersten Mal gab es einen hilfsmittelfreien Teil A sowie einen Teil B, bei dem der Taschenrechner und die IQB-Formelsammlung benutzt werden durften. Außerdem entfielen erstmals insgesamt 60% der vergebenen Punkte auf zentral gestellte Aufgaben. Lediglich Aufgaben zur Linearen Algebra und zur Stochastik wurden noch dezentral gestellt. Darin musste unter anderem die Kundenbindung eines Streamingdienstes untersucht werden, indem die stationäre Verteilung der Übergangsmatrix berechnet werden musste. Beim zweiten Thema sollten die Heinzenwieslerinnen und Heinzenwiesler stochastische Testverfahren anwenden, um die Produktionsqualität in einem Industriebetrieb beurteilen zu können.
In der zweiten Abiturwoche standen die Naturwissenschaften im Mittelpunkt. Im Fach Biologie hatten die Prüflinge die Wahl der Qual gleich zwischen vier Themen: So mussten sie entscheiden, ob sie sich mit der Ökologie des Fuchses, der Evolution des Pferdes, mit Redundanz oder dem Lichtstress bei Pflanzen auseinandersetzen wollten.
Im Fach Chemie stand in Vorschlag eins eine ganz praktische Neuerung im Vordergrund: der Tintenroller, der das Geschriebene mit einer im Stift eingebauten Gummispitze durch Reiben entfernen kann. Viele Schülerinnen und Schüler nutzen diese Tintenroller mittlerweile in allen Farben. Doch wie ist die Tinte eines solchen Rollers beschaffen? Nachdem dies untersucht war, mussten sich die Abiturientinnen und Abiturienten dem Thema „Makromoleküle“ widmen, die in unserem Alltag in natürlicher Form wie Zucker, aber auch künstlich hergestellt, eine große Rolle spielen.
Vier Themen bekamen die Physik-Prüflinge, von denen sie drei auswählen durften, zwei Themen waren zentral, zwei vom Fachlehrer erstellt worden. Der erste zentrale Teil hatte das Lego-Interferometer zur Aufgabe. Der zweite zentrale Teil war mit dem vielversprechenden Titel „Leuchtende Lebewesen“ versehen. Hier galt es, Spektren den Leuchtkäfern zuzuordnen sowie die Frequenz und Energie des ausgesendeten Lichts zu berechnen. Der erste dezentrale Teil hatte die Quantenwelt zum Thema, der zweite Teilchen in Feldern und Radioaktivität.
Weltpolitischer ging es wieder im Fach Englisch zu. Sowohl das literarische als auch das nicht-literarische Thema beschäftigte sich mit Global Chances und Challenges. Zur Wahl standen eine Analyse einer Rede von King Charles oder eines Ausschnitts aus einem Theaterstück aus dem Jahr 2025, das die Kyoto-Konferenz beleuchtete.
Den Abschluss des schriftlichen Abiturs machte in diesem Jahr das Fach Französisch am 29. Januar. Neben einem sehr anspruchsvollen Lese- und Hörverstehen konnten die Französisch-Abiturientinnen und –Abiturienten sich mit der Frage beschäftigen, ob Social Media-Plattformen ab 22 Uhr schließen sollen. Schließlich, so der Text, seien Bars und Casinos auch nicht rund um die Uhr für Jugendliche geöffnet. Eine brisante Frage, mit der sich derzeit viele europäische Gesellschaften auseinandersetzen. Wer sich lieber mit einem literarischen Thema beschäftigte, griff zum zentralen Thema des Ministeriums: Ein Romanauszug erzählte von einem Mädchen mit vietnamesischen Wurzeln, das von zuhause nie Lob erhält und sich in Bücher flüchtet, um die Abenteuer der Buchhelden zu erleben.
Jetzt warten noch einmal vier Wochen Schule auf die Abiturientinnen und Abiturienten, bevor sie am 4. März die Ergebnisse der Prüfungen erfahren.
(Francesca Schmidt)