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El mar de olivos - Das Meer der Olivenbäume

Nachhaltigkeit und Herzlichkeit beim Erasmus+-Austausch in Andalusien 

In die spanische Provinz Jaén ging es für 15 Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrkräfte des Gymnasiums an der Heinzenwies aus Idar-Oberstein vom 17. bis 23. Mai 2026. Mit der Reise in die Stadt Mancha Real erwiderten die Gymnasiasten den Besuch der spanischen Schule IES Peña de Águila, die bereits im April in Deutschland zu Gast war. Der Erasmus+-Austausch widmete sich ganz dem Thema Nachhaltigkeit in Gegenwart und Vergangenheit: „Raumprägung und Ressourcennutzung – damals und heute: Umwelt, Geschichte und Verantwortung in Andalusien und Rheinland-Pfalz/Saarland“.

Schon die Anreise wurde zu einem Erlebnis. Beim Blick aus dem Busfenster auf dem Weg von Málaga nach Mancha Real lief für die Schüler aus dem Hunsrück die Landschaft wie ein unwirklicher Film ab. Von den Mittelmeerstränden der dicht bebauten Touristenmetropole ging es vorbei an Granada mit den schneebedeckten Gipfeln der Sierra Nevada. Am Ziel in der Region Jaén überziehen Millionen Olivenbäume das Land, klettern Hänge hinauf und fließen über sanfte Höhenzüge, bis sie sich im verschwimmenden Horizont verlieren. Unter der Nachmittagssonne schimmern die grünsilbrigen Kronen wie Wellen auf einem ruhigen Meer – dem Mar de Olivos.

Wer aus dem Hunsrück kommt, wächst zwischen üppig grünen Wäldern und Wiesen auf. Südspanien hingegen stellten sich die Jugendlichen vor ihrer Abreise in Frankfurt vor allem als karge und ausgedörrte Landschaft vor. Doch Andalusien überrascht schon bei der Ankunft, denn Mitte Mai ist von Trockenheit noch nichts zu sehen.

 

Das Wasser: Von arabischen Patios zum eiskalten Gebirgsfluss

Das übergeordnete Thema des Erasmus+ Austauschs – „Nachhaltige Ressourcennutzung damals und heute“ – blieb auf dieser Reise ständiger Begleiter. Es wurde spürbar, als die Gruppe zwei Tage später durch die engen Gassen Granadas und um die imposante Festung der Alhambra lief. Hier am Fuße der schneebedeckten Sierra Nevada (über 3.400 m Höhe), die seit Jahrtausenden als riesiger natürlicher Wasserspeicher dient, passierten die Schüler die historischen arabischen Wassersysteme. Die kunstvollen Patio-Häuser mit ihren ausgeklügelten Kanälen und Bädern zeigen, wie Menschen schon vor Jahrhunderten lernten, das kostbare Nass klug zu nutzen und gleichzeitig das Mikroklima der Stadt zu kühlen.

Den Sprung in die Moderne machten die Schüler am Nachmittag im Parque de las Ciencias, ein interaktives Wissenschaftsmuseum, das sich intensiv mit modernem Artenschutz und nachhaltigem Naturschutz beschäftigt.

Wie lebendig und voller Gegensätze die Natur abseits der Städte und Olivenhaine ist, erfuhren die Jugendlichen, als sie sich am folgenden Tag in den Nationalpark Sierra de Cazorla aufmachten, wo sich der Oberlauf des Guadalquivir befindet. Eine zweistündige Fahrt über enge Bergstraßen belohnte die Gruppe mit atemberaubenden Ausblicken. So hielt Lina fest, als alle an einem Aussichtspunkt anhielten, wie erholsam der Anblick über das grüne Flusstal wirkte.

Es war nur etwas kühler auf über 1.200 Metern Höhe, der Duft von Pinien lag in der Luft. Eine kurze Wanderung führte hinab zum Fluss. Und wie versprochen, der Sprung in den eiskalten Gebirgsbach brachte die ersehnte Abkühlung von der Mittagssonne. Einige suchten auch den sportlichen Nervenkitzel und balancierten über Felsbrocken. Vincent erinnerte sich, dass es eine echte Herausforderung war, die einzelnen Stellen des Bachs auf den Steinen zu überqueren. Nur schwer vorstellbar, dass dieser idyllische Bach zu einem der wichtigsten Flüsse Andalusiens anwachsen würde. Genau hier schloss sich der Kreis zur Nachhaltigkeit: Sie beginnt dort, wo der Mensch erkennt, dass das, was hier im Überfluss vorhanden ist, andernorts zum seltenen Gut wird.

 

Das „grüne Gold“ Andalusiens – Leben vom Öl

Zurück in Mancha Real wartete der Alltag, der sich so grundlegend vom deutschen unterscheidet. An der lokalen Gesamtschule erlebten die Hünsrücker ein ganz anderes Schulsystem: Der Unterricht ist in 60-Minuten-Einheiten gegliedert und zieht sich mit nur einer halben Stunde Pause bis in den Nachmittag. Doch der späte Schulschluss tat der Energie keinen Abbruch. An den Nachmittagen trafen sich die deutschen und spanischen Jugendlichen privat, gingen schwimmen im Pool von Pablos Oma, fuhren zum Bowling nach Jaén oder teilten sich abends unkompliziert Pizza und Döner. Eventuelle Sprachbarrieren verflogen spätestens beim gemeinsamen Lachen über kulturelle Missverständnisse.

Dass die Olive nicht nur Landschaft, sondern auch Lebensgrundlage ist, wurde beim Besuch einer traditionellen Ölmühle deutlich. Die Region Jaén gilt als das Herz der weltweiten Olivenölproduktion. Hier lernten die Schüler, wie heute hochwertiges Speiseöl rein mechanisch und völlig ohne chemische Verfahren gewonnen wird – eine strikte Abgrenzung zur industriellen Massenware. Um den Umweltschutz auch im Kleinen zu begreifen, erarbeiteten die Jugendlichen am darauffolgenden Tag in der Schule einen zweistündigen Recycling-Workshop, bei dem Abfälle und Reste kreativ in neue Gebrauchsgegenstände verwandelt wurden.

 

Ein wehmütiger Abschied unter der andalusischen Sonne

Szenenwechsel: Am späten Nachmittag des sechsten Tages versammelte sich die gesamte Gruppe aus Schülern, Eltern und Lehrkräften zu einer traditionellen Merienda. Bei regionalen Snacks ließen sie die Woche Revue passieren, und die anfängliche Aufregung der Hünsrücker Jugendlichen war längst verflogen.

Aus den Fremden von der Ankunft waren Bezugspersonen geworden. Die Schüler schwärmten von der unbefangenen, harmonischen Art der Spanier, die sich schon in der herzlichen Begrüßung mit Küssen auf die Wange zeigte. Filomena bemerkte, dass sie sich in ihrer Gastfamilie fast wie eine Einheimische gefühlt habe, weil sie mit offenen Armen empfangen und wie ein echtes Familienmitglied behandelt worden sei. An keinem einzigen Abend habe schlechte Stimmung geherrscht; es wurde getanzt, geredet und vor allem gelacht. Alles wirkte unbeschwert und entspannt.

Als am nächsten Morgen der Bus für die reibungslose Rückreise über Málaga nach Frankfurt bereitstand, flossen Tränen. Dieselben 15 Schülerinnen und Schüler, die eine Woche zuvor noch unsicher aus dem Busfenster auf die vermeintlich karge Landschaft geblickt hatten, fielen ihren spanischen Partnern ein letztes Mal um den Hals. Sie reisten ab – nicht nur mit Souvenirs und einem tieferen Verständnis für den Wert von Wasser und Natur im Gepäck, sondern vor allem reich an neuen, internationalen Freundschaften, die, wie Filomena es am Ende festhielt, noch sehr lange bestehen werden.

(O. Egli)