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„Ganz auf sich allein gestellt ist man eigentlich nie.“ – Abiturienten des Göttenbach- und des Heinzenwies-Gymnasiums schlugen in einem gemeinsamen Abiturgottesdienst neues Lebenskapitel auf
Ein riesiges Buch mit vielen leeren weißen Seiten bauten die Abiturientinnen und Abiturienten der beiden Idar-Obersteiner Gymnasien am vergangenen Donnerstagabend auf dem Altar der Johanneskirche in Algenrodt auf: Es symbolisierte das Motto ihres gemeinsamen Abiturgottesdienstes, den sie lange zusammen geplant hatten: „Ein neues Kapitel beginnt“. Im Verlauf des Gottesdienstes füllten sie das Buch mit bunten Seiten, die ihre unterschiedlichen Träume, Pläne und Wünsche darstellten. Jede Seite sollte so für ein neues Kapitel stehen, das „erst noch geschrieben werden muss“. Während der eine vielleicht zunächst auf Reisen geht, freut sich die andere auf ihren Ausbildungsplatz.
Zu Beginn des Gottesdienstes der bis auf den letzten Platz gefüllten Johanneskirche blickten Luisa Paulus vom Gymnasium an der Heinzenwies und Max Schwickert vom Göttenbach-Gymnasium auf die gemeinsame Schulzeit zurück. Vor neun Jahren hätten sie sich nicht vorstellen können, an diesem Abend hier zu stehen. Sie blickten auf den anstrengenden Online-Unterricht in der Coronazeit zurück und bemerkten, dass sich mit Beginn der Oberstufe Schule noch einmal völlig verändert habe. Gemeinsam seien sie durch neun Jahre Schule gegangen und als Stufen zusammengewachsen. An all dem zusammen Erlebten seien sie gewachsen. Die Schulzeit sei eine schöne Zeit gewesen, doch nun gelte es, ein neues Kapitel aufzuschlagen.
„Endlich geschafft!“, konstatierte auch Religionslehrerin und Pfarrerin Stefanie Eckes-Steuckart in ihrer Ansprache. Neue spannende Erfahrungen würden nun auf die Abiturientinnen und Abiturienten nun warten, aber oft sei mit der neuen Lebenssituation auch ein kleiner Kloß im Hals verbunden. In der ersten eigenen Wohnung, am neuen Studienort fühle man sich vielleicht zu Beginn allein und von Gott und der Welt verlassen. Alles, was einmal Sicherheit verhieß, sei wie weggeblasen. Hier, so Stefanie Eckes-Steuckart, könnten die Worte des Psalmbeters aus dem 139. Psalm trösten, der sich von Gott getragen fühlt. Auf allen neuen Wegen sei Gott mit uns, aber auch Familie und Freunde würden uns tragen. Ganz auf sich allein gestellt, so bilanzierte die Pfarrerin, sei man eigentlich nie. Die Schülerinnen und Schüler hätten viele Fähigkeiten in ihrer Schulzeit erworben, die sie dazu befähigten, Verantwortung zu übernehmen. Auch wenn man einmal scheitere, es gehe trotzdem immer weiter.
Umrahmt wurde der sehr stimmungsvolle Gottesdienst von vier Auftritten des gemeinsamen Chors beider Gymnasien unter Leitung von Musiklehrerin Sarah Kuhn, der für seine Leistung am Ende viel Applaus bekam. Das Gemeindelied sowie Orgelvorspiel und Orgelausklang gestaltete Andreas Schuch, der Vater einer Abiturientin, gekonnt an der Orgel.
Die Abiturientinnen und Abiturienten beschlossen ihren Gottesdienst mit Fürbitten für die Zukunft, die sie selbst verfasst hatten. Die Kollekte, so hatten sie beschlossen, möchten sie der Tafel Idar-Oberstein spenden, die 800 Menschen in 300 Haushalten versorgt. Insgesamt kamen an diesem Abend 1007,26 Euro für bedürftige Menschen in der Region zusammen. Nach dem Segen, den die Religionslehrerinnen und –lehrer beider Schulen gemeinsam sprachen, endete ein schöner gemeinsamer Gottesdienst, eine letzte gemeinsame Erinnerung, die Schulzeit endet nächste Woche mit der Überreichung der Abiturzeugnisse.
(Francesca Schmidt)